Von Schafen und Kopfweh
Der Beitrag des Holzbaus zum Klimaschutz
Weshalb es ehrlich wäre, mit Subventionen den Beitrag des Holzbaus zur Kohlenstoffspeicherung zu würdigen und warum Schafe Kinder in Schulen schützen können, erfuhr man am Haas-Holzbautag in Falkenberg.
Referenten aus der Wissenschaft waren auch heuer beim Haas-Holzbautag am 15. März im Falkenberger Stammwerk des Holzindustrie-Unternehmens engagiert.
Den Fall einer Sanierung eines Schweizer Schulhauses in Holzleichtbauweise wegen hoher Formaldehyd-Konzentration in der Raumluft schilderte Stefan Schrader, Bau- und Umweltchemie, Zürich. Die Schüler klagten über Kopfschmerzen und Schleimhautreizungen. Nach der Gebäuderäumung untersuchte man die Baumaterialien und fand besonders von der Decke (gelochte Dreischicht-Platte) und der Wand (geölte Dreischicht-Platte) ausgehend teilweise erhebliche Überschreitungen der Formaldehyd-Grenzwerte von 3,5 mg/m2/h. Es wurde aber darauf hingewiesen, dass auch in einem verrauchten Raum die Grenzwerte meist überschritten werden.
Schafe gegen Formaldehyd
Die Sanierung (Neubau war aus finanziellen Gründen nicht möglich) führte man in mehreren Schritten durch: Zuerst entfernte man die Wand- und Deckenelemente. Im zweiten Schritt brachte man Schafwollmatten auf Wände und Decken auf. „Schafwolle hat den Effekt, Formaldehyd zu binden, sodass es nicht mehr ausgeschieden werden kann“, informierte der Schweizer Wissenschafter. Anschließend montierte man neue Verkleidungen aus formaldehydfreien Weißleim verleimten Dreischicht-Platten. Nach der 700.000 CHF (450.000 €) teuren Sanierung kam die Eruierung der Haftungsfrage. Da man nach langwierigen Untersuchungen die Schuldigen ermittelte, löste sich das Problem rasch, da alle Beteiligten dieselbe Versicherung bei der gleichen Gesellschaft abgeschlossen hatten.
Schrader stellte das unabhängig ausgestellte Zertifikat Gutes Innenraumklima (GI) vor, welches Sicherheit schaffe und 0,1 bis 0,2% der Baukosten ausmacht. Dabei handle es sich um ein Qualitätssicherungs-Instrument, welches quantifizierbare Aussagen zur Raumluftqualität bei Um- und Neubauten liefere.
In der Diskussion empfahl Haas-Verkaufsleiter für Leimholz Matthias Link, in Innenräumen immer Möbelplatten, welche formaldehydfrei mit Weißleim verleimt sind, zu verwenden und die dafür geeignete Bauplatte außen einzusetzen.
Univ.-Prof. Arno Frühwald, Zentrum Holzwirtschaft, Universität Hamburg, referierte über das Thema „Holzbau als wichtiges Element der Klimapolitik“. „Holz gleich zu verheizen halte ich für einen absoluten Blödsinn“, meinte dieser. Hinsichtlich der Speicherung von Kohlenstoff sei es viel besser, den wertvollen Rohstoff zuerst zu verbauen und anschließend wenn möglich als Altholz wieder zu verwenden. Am Ende könne man es mit dem gleichen Heizwert immer noch verbrennen, aber es habe so viele Jahre Kohlenstoff gespeichert. Frühwald erklärte dem etwa 100-köpfigen Fachpublikum von Zimmerern und Holzhändlern, dass 1 kg Kohlenstoff (C) sich mit 2,6 kg Sauerstoff zu 3,6 kg CO2 bindet. Eine 100-Jährige Fichte mit einem BHD von 35 cm speichere laut Frühwald 1,5? und eine 45 cm-Buche 2,5 t C. Der deutsche Wald bindet 1,5 Mrd. t C. Die C-Emissionen im Land betragen 0,22 Mrd. t/J.
Subvention für C-Speicherung
„Ein Quadratmeter Parkett fixiert 5 kg und ein Holzhaus 10 bis 25 t Kohlenstoff“, verdeutlichte Frühwald. Der Experte plädierte dafür, ein Förderungssystem gleich dem Emissionshandel zu entwickeln. „Man sollte den C/CO2-Handelswert je Kubikmeter verbautes Holz bewerten, und dies den Hausbauern als Subvention zubilligen“, appelliert der Wissenschafter.
Europameister im Holzvorrat
Weiters erwähnte Frühwald, dass Deutschland laut Bundeswaldinventur 2005 zusammen mit Österreich und der Schweiz „Europameister im Holzvorrat“ sei. Der Zuwachs ist höher als die Nutzung. „Aber“, wies er hin, „die Holznutzung ist in Deutschland deutlich höher als geschätzt.“ Er führt dies auf die steigende Brennholznutzung zurück, welche nicht in der Statistik aufscheint. Frühwald merkte weiters an, dass der Laubholzvorrat wachse und dafür Lösungen überlegt werden sollten.
Wenig Energie zur Produktherstellung
Frühwald pries Holz als den idealen Baustoff an, weil es im Gegensatz zu anderen Baumaterialien leicht, mit wenig Energie, zu bearbeiten geht. Ein großer Teil der zur technischen Trocknung anfallenden Energie werde ja bereits aus Sägerestholz erzeugt. Generell wurde der Energieaufwand für die Holzproduktherstellung deutlich gesenkt.
Autor: Alfred Riezinger